VBE BW Landesverband
Digitalisierung
08.11.2025

KI macht Schule beim Jungen VBE

Am 7. und 8. November 2025 traf sich der Junge VBE Baden-Württemberg in Pforzheim zum  zweitägigen Junglehrkräfte-Wochenende, welches zwei Schwerpunkte gesetzt hatte:
Zunächst arbeiteten die Teilnehmenden am Freitag arbeiteten intensiv an der Überarbeitung des Positionspapiers des Jungen VBE. Viele Positionen haben nach wie vor Relevanz. Ein besonderer Diskussionspunkt war die allgemeine Unterrichtsversorgung und die unveränderte Gesamtbilanz an verbeamteten Lehrkräften im Land.

Viele Fachleute sind überzeugt, dass KI zu den bedeutendsten Erfindungen der Menschheit zählt – und dass künftige Generationen, so auch Lehrkräfte, Schülerinnen und Schüler, lernen müssen, mit ihr informiert, kritisch und kompetent umzugehen. Am Samstag gestaltete das Bildungsunternehmen „KI macht Schule“ eine halbtätige Fortbildung zum gleichnamigen Thema, um über Chancen, Herausforderungen und konkrete Einsatzmöglichkeiten von Künstlicher Intelligenz im Schulkontext zu referieren. Die Veranstaltung machte deutlich: KI wird die schulische Praxis nachhaltig verändern. Nicht ohne Grund wird ab 2029 im PISA-Test neben Lese- und Rechenkompetenzen auch die KI-Kompetenz abgefragt.

Wie KI funktioniert – und was Lehrkräfte darüber wissen sollten
Hanna Dohmen, die hierfür gebuchte Referentin, erläuterte anschaulich, wie moderne KI-Modelle arbeiten: Sie basieren auf Wahrscheinlichkeiten und generieren den wahrscheinlichsten nächsten Inhalt. Auf dieser Grundlage können sie Texte schreiben, Bilder erstellen, Muster erkennen oder komplexe Aufgaben lösen. Gleichzeitig kann KI immer nur das, worauf sie trainiert wurde. Unklare oder falsche Trainingsdaten führen zu Verzerrungen, einem sogenannten Bias, welcher große Auswirkungen auf die Ergebnisse haben kann. KI kann auch halluzinieren, indem plausible, aber falsche Informationen erzeugt werden können. Für den schulischen Einsatz bedeutet das: die kritische Prüfung und Einordnung von KI-Ausgaben stellt eine Kernkompetenz dar.

Unterrichtsvorbereitung mit KI – Unterstützung, aber kein Ersatz
Die Fortbildung zeigte auf, wie KI sinnvoll eingesetzt werden kann, um Unterricht zu planen, Materialien zu strukturieren oder Ideen zu generieren. Vorgestellt wurde ein klares Schema für wirksame Prompts, eine Eingabeaufforderung an die KI, wobei keine personenbezogenen Daten in KI-Tools eingegeben werden dürfen:

  1. Rolle definieren
  2. Zielgruppe festlegen
  3. Lernziel formulieren
  4. Format bestimmen
  5. Rahmenbedingungen benennen

KI Aufgabenstellungen können so z.B. helfen, Unterrichtsinhalte noch barrierearmer, strukturierter und curricular angebundener aufzubereiten.

Kompetenzentwicklung statt Abkürzungen
Besonders intensiv wurde über Skill Skipping gesprochen – die Gefahr, dass Lernende Aufgaben mithilfe von KI lösen, ohne die dafür nötigen Fähigkeiten zu erwerben. Die Fortbildung vermittelte Strategien, wie Lehrkräfte Lernende motivieren können, KI sinnvoll und nicht als „Abkürzung“ zu nutzen. Dohmen stellte die sogenannte KI-Ampel vor, mit der sich klar regeln lässt, wann KI im Unterricht genutzt werden darf – und wann Lehrkräfte davon abraten sollten:

  • Rot: Keine KI erlaubt, da Kernkompetenzen überprüft werden (z. B. Grammatikübungen, Mediation von Inhalten,…).
  • Gelb: KI als Unterstützung möglich, aber nur ergänzend (z. B. Strukturhilfen, Satzstarter).
  • Grün: KI ist ausdrücklich erwünscht (z. B. Layout, Bildgestaltung, Quellenvergleich).

Individuelle Förderung: Potenziale
Das Blooms 2-Sigma-Problem zeigt, dass individuelle Förderung zu drastisch verbesserten Lernergebnissen führen kann. KI kann dabei unterstützen – etwa durch Schritt-für-Schritt-Erklärungen, adaptive Lernwege, passende Bonusaufgaben auf Basis des Bildungsplans oder differenzierten Hausaufgaben. Dabei wird zwischen der Mikro-Adaptivität (Wie lernt die einzelne Person am besten?) und der Makro-Adaptivität (Was soll diese Person als nächstes lernen?) unterschieden. Es wurde schnell klar: KI soll Lehrkräfte entlasten, aber es kann diese niemals ersetzen.

AI Literacy als Grundkompetenz der Zukunft – auch in der Lehrkräfteausbildung
Wir diskutierten abschließend die Frage, wie AI Literacy in Schulen nachhaltig verankert werden kann. Ziel ist es, Schülerinnen und Schüler zu befähigen, KI nicht unreflektiert zu nutzen, sondern kompetent und verantwortungsbewusst einzusetzen. Zwischen Studienrealität und Schulpraxis besteht oft eine Lücke. Wir fordern die Hochschulen daher auf:

  • praxisnähere KI-Inhalte und Best-Practice-Beispiele bereits im Studium anzubieten,
  • verbindliche Module zu Medienbildung und Digitalisierung,
  • und eine engere Zusammenarbeit zwischen Schulen und Hochschulen.

Die zweitägige Veranstaltung zeigte insgesamt, wie wichtig es ist, den Umgang mit KI als festen Bestandteil der professionellen Lehrkräftebildung zu verstehen.

Fallback-Image
Eva Maria Stittmatter

Landesreferatleiterin Junger VBE Baden-Württemberg

Eva Maria Strittmatter