VBE BW Landesverband
Frühkindliche Bildung
13.07.2026

Hitzefrei? Nicht in der Kita!

Gedanken aus einem (viel zu) heißen Kita-Sommer
Wer in einer Kita arbeitet, weiß: Hitzefrei gibt es bei uns nicht.
Während im Radio vor körperlicher Anstrengung gewarnt wird und im Büro die Klimaanlage summt, sitzen die pädagogischen Fachkräfte mit 22 Kindern im Gruppenraum, schenken gefühlt alle fünf Minuten Wasser nach, cremen Nasen ein, suchen verschwundene Sonnenhüte und erklären zum zwanzigsten Mal, warum der Asphalt auf dem Hof heute kein guter Platz zum Barfußlaufen ist.
Willkommen im Kita-Sommer 2026!
Natürlich nehmen wir es mit Humor. Pädagogische Fachkräfte waren schon immer Meisterinnen und Meister der Improvisation. Da wird kurzerhand das Planschbecken zur Experimentierstation, der Morgenkreis unter den einzigen schattigen Baum verlegt und das Bewegungsangebot spontan gegen eine Vorleserunde eingetauscht.
Flexibilität gehört schließlich zum Beruf.
Aber Hand aufs Herz: Die Sommer werden heißer. Und wir merken das inzwischen jedes Jahr deutlicher.

Zwischen Sonnencreme und Schmelzpunkt
Kinder gehen mit Hitze anders um als Erwachsene. Sie spielen begeistert weiter, obwohl ihnen längst der Schweiß auf der Stirn steht. Trinken? Wird gerne vergessen. Pause machen? Nur, wenn alle anderen auch eine machen.
Also erinnern wir freundlich, füllen Trinkflaschen auf, suchen Schattenplätze und hoffen gleichzeitig, dass die Gruppenräume nicht schon am Vormittag zur Sauna werden.
Manchmal fragt man sich schon, ob die Architektinnen und Architekten mancher Kitagebäude jemals einen Juli-Nachmittag in einem Gruppenraum verbracht haben.

Gute Pädagogik ersetzt keine Rollos
Eines können pädagogische Fachkräfte wirklich gut: Lösungen finden.
Wir verlegen Angebote nach draußen, ändern Tagesabläufe, lassen die Kinder häufiger trinken, machen Wasserspiele und beobachten gemeinsam, welche Pflanzen auf dem Außengelände der Hitze trotzen.
Aber bei aller Kreativität gilt auch: Gute Pädagogik kann fehlende Verschattung, schlecht gedämmte Gebäude oder aufgeheizte Räume nicht dauerhaft ausgleichen.
Deshalb braucht es mehr als Durchhaltevermögen.

Der Klimawandel spielt längst mit
Früher waren Hitzewellen etwas Besonderes. Heute gehören sie fast schon zum Sommerprogramm.
Und natürlich bemerken das auch die Kinder.
Sie fragen, warum die Wiese gelb geworden ist. Warum der Bach kaum noch Wasser führt. Warum manche Blumen vertrocknen oder weshalb es unter dem großen Baum viel angenehmer ist als auf den Pflastersteinen.
Genau darin steckt eine wunderbare Bildungschance.
Nicht mit erhobenem Zeigefinger. Nicht mit Weltuntergangsstimmung.
Sondern mit Neugier.
Warum ist es hier kühler? Welche Pflanzen brauchen viel Wasser? Wann gießt man am besten? Warum fühlen sich dunkle Steine heißer an als Gras?
Kinder entdecken ihre Welt mit allen Sinnen. Und wir dürfen sie dabei begleiten.

Selbstwirksamkeit statt Sorgen
Kinder brauchen keine düsteren Zukunftsszenarien. Sie brauchen das Gefühl: Ich kann etwas tun.
Ein Hochbeet pflegen, Regenwasser sammeln, Vögeln Wasser bereitstellen oder gemeinsam überlegen, wie man einen schattigen Platz gestalten kann – all das zeigt Kindern, dass ihr eigenes Handeln etwas bewirken kann.
Das ist wahrscheinlich die wichtigste Botschaft.

Liebe Verantwortliche …
Und an dieser Stelle ein kleiner Wunsch aus den Teams.
Wenn wir künftig über Qualität in Kitas sprechen, dann sollten wir auch über Temperaturen sprechen.
Außenrollos wirken manchmal Wunder. Bäume übrigens auch. Sonnensegel ebenfalls. Und wer einmal versucht hat, bei 33 Grad im Gruppenraum eine Mittagsruhe zu begleiten, weiß: Klimaanpassung ist keine Luxusdiskussion.
Sie ist Arbeits- und Gesundheitsschutz.

Daher…
Pädagogische Fachkräfte werden auch den nächsten Hitzesommer meistern. Daran habe ich keinen Zweifel.
Sie werden wieder improvisieren, lachen, trösten, Wasserflaschen auffüllen, Schatten suchen und den Kindern trotz Hitze einen wunderschönen Sommertag ermöglichen.
Aber vielleicht müssen sie dabei künftig ein bisschen weniger improvisieren.
Das hätten sie mehr als verdient.

Fallback-Image
Susanne_Sargk_2024

Landesreferatsleitung Kita Baden-Württemberg

Susanne Sargk