Mit seiner Pressemitteilung vom 16. Juli 2026 hat der VBE Baden-Württemberg eine klare Position bezogen. Der Landesvorsitzende Gerhard Brand begrüßte die angekündigte Aufarbeitung der Vorgänge am Landesmedienzentrum und machte zugleich deutlich, dass notwendige organisatorische Konsequenzen nicht zulasten der Schulen und ihrer Unterstützungssysteme gehen dürfen.
Diese Position trägt das Landesreferat Kitas ausdrücklich mit.
Gleichzeitig möchten wir einen Aspekt ergänzen, der in der aktuellen Diskussion bislang kaum Beachtung findet: die Bedeutung der Stadt- und Kreismedienzentren für die Kindertageseinrichtungen. Mit dem weiterentwickelten Orientierungsplan Baden-Württemberg (OP+) hat das Bildungs- und Entwicklungsfeld Medienbildung deutlich an Bedeutung gewonnen. Damit ist nicht nur ein neuer Bildungsauftrag formuliert worden – es entstehen auch neue Anforderungen an die pädagogischen Fachkräfte und ihre Träger.
Kinder wachsen heute selbstverständlich mit analogen und digitalen Medien auf. Sie betrachten Bilderbücher, hören Geschichten, entdecken Symbole, fotografieren, erleben digitale Medien in ihren Familien und stellen Fragen zu einer Welt, in der Medien allgegenwärtig sind.
Deshalb ist Medienbildung keine Aufgabe, die erst mit dem Schuleintritt beginnt. Sie ist Teil frühkindlicher Bildung.
Wer allerdings glaubt, Medienbildung bedeute vor allem Tablets oder digitale Endgeräte, greift zu kurz. Medienbildung beginnt beim Bilderbuch. Beim Erzählen. Beim gemeinsamen Betrachten eines Fotos. Beim Gestalten eines Portfolios. Beim bewussten Umgang mit Informationen.
Neu ist also weniger die Medienbildung selbst. Neu ist, dass der Orientierungsplan sie ausdrücklich benennt und ihr einen deutlich höheren Stellenwert einräumt.
Mit einem neuen Kapitel im Orientierungsplan allein ist es allerdings nicht getan.
Pädagogische Fachkräfte brauchen Orientierung. Sie brauchen Fortbildungen. Sie brauchen Materialien. Sie brauchen Beratung. Und sie brauchen Ansprechpartner, wenn Fragen entstehen.
Gerade im Bereich der Medienbildung geht es um Themen wie Datenschutz, Bildrechte, Portfolioarbeit, Medienpädagogik und den sinnvollen Einsatz analoger und digitaler Medien. Diese Kompetenzen können nicht in jeder Einrichtung und bei jedem Träger gleichermaßen vorhanden sein. Deshalb braucht es regionale Unterstützungssysteme.
Aus Sicht des Landesreferats Kitas werden die Stadt- und Kreismedienzentren künftig eine immer wichtigere Rolle für die Kindertageseinrichtungen übernehmen.
Sie verfügen über genau die Kompetenzen, die für die Umsetzung des Orientierungsplans benötigt werden. Sie beraten Einrichtungen. Sie bieten Fortbildungen an. Sie verleihen Medienkoffer und technische Ausstattung. Sie begleiten Projekte. Sie unterstützen Fachkräfte bei Fragen zu Datenschutz und Medienpädagogik.
Vor allem aber arbeiten sie unmittelbar mit den Einrichtungen vor Ort zusammen. Gerade kleinere Träger und Kindertageseinrichtungen profitieren von dieser regionalen Nähe.
Wie gewinnbringend eine solche Zusammenarbeit sein kann, erleben wir derzeit im Landkreis Böblingen.
Das Landesreferat Kitas des VBE Baden-Württemberg entwickelt gemeinsam mit dem Kreismedienzentrum Böblingen einen Fachtag zur Umsetzung der Medienbildung im Orientierungsplan. Dabei steht nicht die Technik im Mittelpunkt. Im Mittelpunkt stehen die Kinder. Ihre Lebenswelt.
Und die Frage, wie pädagogische Fachkräfte Medienbildung alltagsnah, kreativ und ohne zusätzliche Belastung gestalten können. Diese Zusammenarbeit zeigt eindrucksvoll, welches Potenzial in der Vernetzung regionaler Partner steckt.
Sie ist aus unserer Sicht beispielhaft und könnte Vorbild für weitere Kooperationen im Land werden.
Umso mehr beobachten wir mit Sorge die aktuelle Diskussion um die Zukunft der Medienzentren.
Selbstverständlich müssen die Vorgänge am Landesmedienzentrum vollständig und transparent aufgearbeitet werden. Daran darf es keinen Zweifel geben. Ebenso wichtig erscheint uns jedoch die Unterscheidung zwischen der notwendigen Aufarbeitung möglicher Fehlentwicklungen und der Zukunft funktionierender Unterstützungsstrukturen in den Regionen.
Gerade jetzt, wo das Land den Bildungsauftrag Medienbildung erweitert, wäre es widersprüchlich, ausgerechnet jene Partner zu schwächen, die seine Umsetzung ermöglichen.
Als Landesreferat Kitas sehen wir in den Stadt- und Kreismedienzentren weit mehr als technische Dienstleister.
Sie sind Bildungspartner. Berater. Impulsgeber. Vernetzer.
Und eigentlich künftig wichtige Begleiter der Kindertageseinrichtungen bei der Umsetzung des Orientierungsplans und des neuen Entwicklungsfeldes „Medienbildung“. Wer den Bildungsauftrag Medienbildung ernst nimmt, muss deshalb auch die Voraussetzungen schaffen, damit dieser Auftrag im Alltag der Einrichtungen gelingen kann.
Unser Wunsch ist deshalb, die aktuelle Diskussion nicht ausschließlich unter organisatorischen oder finanziellen Gesichtspunkten zu führen.
Sie sollte auch die Frage beantworten: Welche Unterstützungsstrukturen brauchen unsere Kindertageseinrichtungen künftig, damit Medienbildung nicht nur im Orientierungsplan steht, sondern im Alltag der Kinder ankommt?
Wir sind überzeugt: Die Stadt- und Kreismedienzentren können dabei eine Schlüsselrolle übernehmen. Diese Chance sollten wir nutzen.
Kreismedienzentren (KMZ) unterstützen heute längst nicht mehr nur Schulen. Auch Kindertageseinrichtungen gehören zunehmend zu ihrer Zielgruppe – allerdings unterscheiden sich die Angebote je nach Landkreis. Grundsätzlich lassen sich folgende Bereiche unterscheiden:
Dies ist mittlerweile einer der wichtigsten Aufgabenbereiche.
Die Kreismedienzentren unterstützen Kitas beispielsweise bei:
Viele KMZ bieten Fortbildungen an zu Themen wie:
Viele Kreismedienzentren verleihen Einrichtungen kostenlos oder kostengünstig:
Zur Verfügung stehen häufig:
Viele KMZ begleiten komplette Projekte, etwa:
Dabei kommen Mitarbeitende teilweise direkt in die Einrichtungen.
Einige Kreismedienzentren bieten Referentinnen und Referenten für Elternabende zu Themen wie:
Darüber hinaus unterstützen sie Kitas bei:
Wie stark nutzen Kitas diese Angebote?
Die Nutzung ist regional sehr unterschiedlich. Während manche Kreismedienzentren bereits seit Jahren intensiv mit Kitas zusammenarbeiten, liegt der Schwerpunkt anderer weiterhin deutlich auf Schulen. Dennoch ist landesweit erkennbar, dass die frühkindliche Medienbildung zunehmend an Bedeutung gewinnt und die Angebote für Kindertageseinrichtungen ausgebaut werden.
Gerade vor dem Hintergrund der Diskussionen um den neuen Orientierungsplan für Baden-Württemberg dürfte die Zusammenarbeit zwischen Kitas und Kreismedienzentren in den kommenden Jahren weiter an Bedeutung gewinnen.
