Der Verband Bildung und Erziehung (VBE) Baden-Württemberg bewertet den vierten Platz Baden-Württembergs im Bildungsmonitor 2026 grundsätzlich positiv. Zugleich warnt der Verband davor, aus dem guten Abschneiden im Ländervergleich eine allgemein positive Entwicklung abzuleiten. Insbesondere bei den Bildungschancen und der Förderinfrastruktur zeigt die Studie weiterhin erheblichen Handlungsbedarf.
„Dass wir erneut zu den vier bestplatzierten Bundesländern gehören, ist zunächst eine gute Nachricht. Die Studie zeigt, dass Länder mit einem besonders hohen Anteil an Personen ohne Lehramtsausbildung an den Schulen eher auf den hinteren Plätzen landen,“ erklärt der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand.
Brand weiter: „Wer genauer hinschaut, erkennt jedoch auch bei uns deutliche Warnsignale. Entscheidend ist nicht nur, welchen Platz wir im bundesweiten Ranking erreichen, sondern wie sich die Bildungsqualität in Baden-Württemberg tatsächlich entwickelt. Der Bildungsmonitor zeigt, dass die Kompetenzen der Schülerinnen und Schüler zurückgehen und die Risikogruppen größer werden“.
Besonders kritisch bewertet der VBE das Abschneiden bei den Bildungschancen. Baden-Württemberg landet im Handlungsfeld Integration nur auf Rang 13. Der Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg fällt im Ländervergleich vergleichsweise stark aus.
Brand: „Der Bildungserfolg eines Kindes darf nicht davon abhängen, in welche Familie es hineingeboren wird. Wenn Baden-Württemberg bei den Bildungschancen im hinteren Feld landet, muss uns das zu denken geben. Wir müssen diejenigen Kinder stärker erreichen, die zusätzliche Unterstützung benötigen – und zwar möglichst früh.“
Auch bei der Förderinfrastruktur besteht Nachholbedarf. Baden-Württemberg erreicht hier Rang 14. Insbesondere bei der Ganztagsbetreuung liegt das Land unter dem Bundesdurchschnitt.
„Gerade mit dem Start des Rechtsanspruchs auf Ganztagsbetreuung können wir uns hier nicht zurücklehnen. Ganztag ist aber mehr als ein zusätzliches Betreuungsangebot. Damit daraus tatsächlich mehr Bildungsgerechtigkeit und bessere individuelle Förderung entstehen, brauchen die Schulen ausreichend qualifiziertes Personal, geeignete Räume und verlässliche Kooperationsstrukturen“, so Brand.