22.09.2026

UNESCO-Weltbildungsbericht: Bildungsgerechtigkeit bleibt zentrale Herausforderung

Weltweit gehen weiterhin 273 Millionen Kinder und Jugendliche nicht zur Schule. Zugleich haben sich die Fortschritte beim Abbau von Bildungsungleichheiten deutlich verlangsamt. Dies geht aus dem heute veröffentlichten UNESCO-Weltbildungsbericht 2026 hervor. Für den VBE ist der Bericht ein klarer Auftrag, Bildungsgerechtigkeit auch in Deutschland konsequenter voranzutreiben.

„Der Weltbildungsbericht bestätigt, was Lehrkräfte und Schulleitungen täglich erleben: Bildungserfolg hängt noch immer zu stark von der sozialen Herkunft ab. Das ist kein Erkenntnisproblem, sondern eine Frage des politischen Willens. Wir wissen, was Schulen brauchen: eine bedarfsgerechte Finanzierung, ausreichend qualifiziertes Personal und Zeit für individuelle Förderung, Kooperation und Elternarbeit. Es liegt bei der Politik, diese Voraussetzungen zu schaffen. Nur so kann die notwendige individuelle Förderung ermöglicht werden“, erklärt Gerhard Brand, Landesvorsitzender des VBE Baden-Württemberg.

Dabei macht der Bericht deutlich, dass nachhaltige Fortschritte nicht durch einzelne Maßnahmen erreicht werden können. Notwendig sind langfristige und aufeinander abgestimmte politische Strategien. Insbesondere Schulen mit hohen sozialen und pädagogischen Herausforderungen müssen dauerhaft stärker unterstützt werden. Eine Verteilung von Ressourcen nach dem Gießkannenprinzip wird den unterschiedlichen Ausgangslagen der Schulen nicht gerecht.

„Das Startchancen-Programm ist ein wichtiger Schritt, weil es den Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg ausdrücklich in den Blick nimmt. Es darf aber nicht zum Feigenblatt für ein insgesamt unterfinanziertes Bildungssystem werden. Die zusätzlichen Mittel müssen mit ausreichend Personal, multiprofessionellen Teams und verlässlichen Strukturen hinterlegt werden“, so Brand weiter.

Personal entscheidet über Bildungschancen

Der VBE begrüßt, dass der Weltbildungsbericht Bildungsgerechtigkeit als langfristige politische Aufgabe versteht. Bund und Länder sind nun gefordert, daraus konkrete Konsequenzen zu ziehen:

• bedarfsgerechte und dauerhaft gesicherte Finanzierung aller Schulen,
• verlässliche personelle Ausstattung insbesondere für Schulen in herausfordernden Lagen,
• multiprofessionelle Teams mit Lehrkräften, Sonderpädagoginnen und Sonderpädagogen, Schulsozialarbeit sowie weitere pädagogische Fachkräfte,
• ausreichend Zeit für Kooperation, individuelle Förderung und Elternarbeit,
• Stärkung der frühkindlichen Bildung und der Übergänge zwischen Kita und Schule,
• bessere Aus-, Fort- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte und Schulleitungen.

„Wer Bildungserfolg nicht länger vom Elternhaus abhängig machen will, muss den Schulen endlich die Mittel und das Personal geben, die sie dafür benötigen. Jede Verzögerung verschärft die Ungleichheit – und belastet zugleich die Beschäftigten, die sie täglich auffangen sollen“, erklärt Brand abschließend.

Hintergrund

Der UNESCO-Weltbildungsbericht 2026 trägt den Titel „Zugang und Chancengerechtigkeit – Countdown bis 2030“. Er untersucht globale Entwicklungen beim Zugang zu Bildung und bei Bildungsungleichheiten. Der Bericht kommt zu dem Ergebnis, dass die Welt ihre Bildungsziele bis 2030 voraussichtlich nicht vollständig erreichen wird. Zugleich zeigt er, dass langfristige, aufeinander abgestimmte politische Maßnahmen den Zugang zu Bildung und die Chancengerechtigkeit verbessern können.

Kontakt

Bild, 23. Sept. 2026, 10_33_47

Leiter Presse und Politik

Jens Linek