„Dass Eltern ihren Kindern wieder häufiger vorlesen, ist eine erfreuliche Entwicklung. Vorlesen weckt die Freude an Geschichten, erweitert den Wortschatz und legt eine wichtige Grundlage für den späteren Bildungserfolg. Umso bedenklicher ist es, dass weiterhin fast jedes vierte Kind zu selten und mehr als jedes achte Kind überhaupt nicht vorgelesen bekommt“, erklärt der VBE-Landesvorsitzende Gerhard Brand.
Der Vorlesemonitor von DIE ZEIT, Stiftung Lesen und Deutsche Bahn Stiftung zeigt, dass 2026 insgesamt 76,4 Prozent der Eltern ihren ein- bis achtjährigen Kindern mehrmals pro Woche vorlesen. Im Jahr 2024 waren es 67,7 Prozent, 2022 lediglich 61,3 Prozent. Gleichzeitig bekommen 23,6 Prozent der Kinder höchstens einmal pro Woche vorgelesen, 12,4 Prozent sogar nie. Im Jahr 2024 lagen diese Anteile noch bei 32,3 beziehungsweise 18,4 Prozent.
Neben den Eltern kommt den pädagogischen Fachkräften in den Kindertageseinrichtungen eine entscheidende Rolle bei der frühen Sprachförderung zu. Sie führen Kinder an Bücher und Geschichten heran, fördern ihre sprachliche Entwicklung und schaffen wichtige Zugänge zur Welt des Lesens. Doch angesichts des anhaltenden Personalmangels fehlt im Kita-Alltag häufig die notwendige Zeit für eine individuelle Förderung.
„Sprachbildung findet nicht nebenbei statt. Kinder brauchen erwachsene Bezugspersonen, die sich ihnen zuwenden, mit ihnen sprechen, ihnen vorlesen und auf ihre Fragen eingehen. Dafür benötigen unsere Erzieherinnen und Erzieher vor allem eines: ausreichend Zeit. Solange es an qualifiziertem Personal fehlt, bleibt auch die frühkindliche Sprachförderung hinter ihren Möglichkeiten zurück“, betont Brand.
Der VBE warnt seit Jahren vor den Folgen des Fachkräftemangels in den Kindertageseinrichtungen. Der Verband fordert deshalb einen durchgängigen Personalschlüssel von 1:3 für Kinder unter drei Jahren und 1:7,5 für Kinder ab drei Jahren.
Die Ergebnisse des Vorlesemonitors zeigen zudem, dass die Vorlesehäufigkeit mit zunehmendem Alter der Kinder deutlich zurückgeht. Während 75 Prozent der Eltern ihren einjährigen Kindern regelmäßig vorlesen (2024: 59 Prozent), sind es bei den Zweijährigen sogar 93 Prozent (2024: 78 Prozent). Bei den Achtjährigen liegt der Anteil dagegen nur noch bei 55 Prozent.
„Auch die Eltern bleiben hier in der Verantwortung: Gerade wenn Kinder beginnen, selbst lesen zu lernen, darf die gemeinsame Beschäftigung mit Büchern nicht nachlassen. Ergänzend dazu brauchen wir eine durchgängige Leseförderung von der Kita bis in die Grundschule – mit ausreichend Förderstunden, zugänglichen Leseecken und gut ausgestatteten Schulbüchereien“, so Brand abschließend.